40 Jahre Frauensport in Jonsdorf
Ohne Hinweise von Sportlerinnen der "ersten Stunde" wäre dieses Jubiläum vielleicht in der alltäglichen Hektik untergegangen. Dabei ist in den letzten 40 Jahren auch im Frauensport eine Menge passiert und die heute fünf Frauensportabteilungen der ZSG Jonsdorf können stolz auf das Geleistete sein. Aber wie hat es angefangen?
Im Herbst 1969 kam Frau Hilde Peukert (später verh. Wagner) als Sportlehrerin nach Jonsdorf und gründete eine Gymnastikgruppe, die bei den Frauen des Ortes viel Zuspruch fand. Die ersten Mitglieder, Gisela Schley, Heidi Kettner, Christine Schmidt u.a., die auch heute noch ihrem Sportverein die Treue halten, erinnern sich: Die Übungsstunden verliefen fast nach den Regeln der künstlerischen Gymnastik und Frau Peukert wurde dabei von Frau Bergmann (VHS Zittau) am Klavier unterstützt. Für die Frauen hieß es: Im Walzertakt …" uuund eins, zwei, drei!" Mit Bällen, Keulen und Reifen, in Vierer- und Achterformationen, üben bis es "saß". Das war anstrengend, sah toll aus und das eine oder andere Fettpölsterchen hat sich schnell verflüchtigt. War Hilde verhindert, übernahm Brigitte Gräfe das Kommando in den Sportstunden.
Damals waren die äußeren Bedingungen denkbar schlecht. Die Übungsstunden fanden in der kleinen Turnhalle am Ortsausgang Richtung Oybin/Hain statt, die heute vom PSV Zittau, Abt. Ski genutzt wird. Im Winter, wenn es stürmte und schneite - schon der Weg zur Halle war eine sportliche Herausforderung.
Die letzten Übungsstunden von Hilde Wagner (bis 1975) habe ich selbst miterlebt. Danach folgte eine ca. einjährige frauensportliche Durststrecke. Ohne Übungsleiterin - der Mittwochsport fiel trotzdem nicht aus. Die Teilnehmerinnen zeigten bekannte gymnastische Übungen, alles schön wild durcheinander, vom Stand in die Bauchlage, eben noch gehüpft, Rückenlage und auf, oder sie spielten Ball. Alle machten mit, schwitzten, lachten und körperliche Schäden trug keine davon.
Aber so konnte es nicht weitergehen. Nach vielen Überredungskünsten fand sich der Sportlehrer der Schule, Herr Koroschetz, bereit, mit uns Frauen zu üben. Es war eine Herausforderung für beide Seiten. Sportliches Training anstelle von Walzertakt und "jede zeigt mal `was". Aber wir Frauen bewiesen Stärke, machten mit und Fortschritte zeigten sich bald. Leider konnte Herr Koroschetz die Sportstunden nicht lange durchführen und wieder wurde nach einer "Vorturnerin" gesucht. Der Zufall kam zur Hilfe. Frau Gisela Wenzel zog nach Jonsdorf. Sie war am vorherigen Wohnort schon als Übungsleiterin tätig und übernahm die Gruppe. Kurze Zeit später absolvierte unsere Sportfreundin Helga Schäfer einen Übungsleiterkurs und beide führten bis in die achtziger Jahre .mit viel Engagement den Frauensport. Seit 1985 wird die Frauensportgruppe von mir geleitet, in den letzen Jahren unterstützt von Tochter Evi.
Ein gewaltiger Schritt nach vorn für den Sport in Jonsdorf war die Eröffnung der neuen Turnhalle im März 1985. Günstige Ortslage, groß, hell, erstklassiger Parkettfußboden, neue Sportgeräte und - eine Musikanlage. Amerikas Aerobicwelle hatte auch uns erreicht und die Anfangsversuche, mit Kassettenrekorder im Rucksack und Programmen aus Zeitungsausschnitten zweifelhafter Herkunft, in den alten Räumen, na ja. - Ab sofort hieß es Popgymnastik und es machte richtig Spaß in der neuen Halle. Und weil wir so schön dabei waren übernahm ich auch eine Kindergruppe - für die nächsten dreiundzwanzig Jahre.
In den Neubau wechselte auch die Frauensportgruppe des DFD, die bis dahin im Klubhaus Jonsdorf ihre Gymnastikstunden unter der Leitung von Karin Renger durchführte. Nach der Wende übernahm Frau Martha Schulze die Gruppe, die von da an auch zur Zentralen Sportgemeinschaft Jonsdorf zählte. 1994 trat Margit Jahnich, sie gehörte viele Jahre in Zittau zur Leistungsgymnastik, in ihre Fußstapfen. Man sieht sie mittwochs wieder auf dem Weg in die Turnhalle, trotz eines bösen Sportunfalls vor zwei Jahren ist sie ihren "Mädels" treu geblieben. Ihr zur Seite steht heute als Übungsleiterin auch Christa Hiltscher. Mittlerweile bezeichnen sich die Damen als Seniorensportgruppe, die älteste Teilnehmerin ist über achtzig, und bewundernswert ist der Schwung und Elan, mit dem alle dabei sind, egal ob in der Halle, bei Wanderungen oder fröhlichen Feiern.
Es würde den Rahmen sprengen, über die vielen Veränderungen, die die Wende auch für den Jonsdorfer Sportverein mit sich brachte, an dieser Stelle zu berichten. Trotz verwaltungstechnischer Anfangsschwierigkeiten, ging es schnell in allen Abteilungen aufwärts, auch im Frauensport. 2003 sagte Ilonka Grese auf eine Anfrage des Vereins "ja" und die ins Leben gerufene Abteilung Gesundheitssport wuchs unter ihrer Leitung schnell auf ca. zwanzig Mitglieder. Neue Trends hielten Einzug in die Halle. Neben erhöhter sportlicher Intensität brachten sie auch jede Menge Spaß. Meine Gruppe möchte die Steppbretter nicht mehr missen, und auch verschiedene Tanzformen fließen immer wieder in die Übungsstunden mit ein. Auch für Bauch Beine und Po wird etwas getan usw.… In den anderen Gruppen ist es ganz ähnlich. Das Neuste, die Swingsticks, ein sehr intensives Übungsgerät, wird von allen genutzt. Stolz sind wir auch auf den Nachwuchs. Viele junge Menschen verlassen heute den Ort. Trotzdem gibt es seit 2008 eine Kickboxgruppe. Hier trainieren, angeleitet von der jungen Übungsleiterin Sandra Ladisch, fünfzehn Mädchen von 14 bis 18 Jahren.
Zum Verein und zum Frauensport gehört auch die Laufgruppe von Heidi Kettner. Seit vier Jahren ist sie einmal wöchentlich, vom Frühjahr bis zum Herbst, auf den Waldwegen rund um Jonsdorf mit mit den Lauffreudigen schnellen Schrittes unterwegs. (Männer dürfen hier auch mitlaufen.)
40 Jahre Frauensport in Jonsdorf, eine lange Zeit. Viele, die dabei waren oder dabei sind werden sich gern erinnern. Nicht nur an die Sportstunden, da waren Wanderungen, Radtouren. Eislaufen, Schwimmhallenbesuche und viel Freude bei Weihnachts- und Faschingsfeiern und , und, und…
Allen ein ganz großes "Dankeschön", die dazu beigetragen haben, dass die ZSG Jonsdorf heute fünf Frauensportabteilungen mit ca. 90 Mitgliedern vorweisen kann. Sei es als Übungsleiter, Kassierer oder einfach durch ihr mitmachen und durchhalten, auch wenn es einmal nicht so lief oder läuft.
Schauen wir optimistisch in die Zukunft. Wir sehen uns in der nächsten Übungsstunde und neue Sportfreundinnen sind immer herzlich willkommen.
Monika Hahnspach
Der Bericht enthält Auszüge aus der Ortschronik